IT-Governance als Fundament wirksamer Unternehmenssteuerung – Warum sie unverzichtbar ist
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IT-Governance als Fundament wirksamer Unternehmenssteuerung – Warum sie unverzichtbar ist

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Als externer Datenschutzbeauftragter erleben wir in der Praxis immer wieder, dass Unternehmen erhebliche Summen in IT-Systeme investieren – jedoch ohne klare Leitplanken für deren Steuerung. Folgen davon können ineffiziente Prozesse, Sicherheitslücken, Compliance-Risiken und im schlimmsten Fall Datenschutzverstöße sein. Genau hier setzt die IT-Governance an.

Was ist IT-Governance?

IT-Governance ist der Ordnungsrahmen für die Steuerung, Kontrolle und strategische Ausrichtung der Informationstechnologie eines Unternehmens. Sie stellt sicher, dass die IT die Unternehmensziele unterstützt, Risiken angemessen gesteuert werden, Ressourcen effizient eingesetzt sind und regulatorische Anforderungen eingehalten werden.

Während IT-Management den operativen Betrieb verantwortet (z. B. Serverbetrieb, Support, Implementierung von Software), definiert IT-Governance die Spielregeln:

  • Wer trifft welche Entscheidungen?
  • Welche Standards gelten?
  • Wie werden Risiken bewertet?
  • Wie wird die Zielerreichung gemessen?

IT-Governance ist damit kein rein technisches Thema, sondern Teil der Unternehmensführung. Sie verbindet Geschäftsstrategie, Risikomanagement, Compliance und IT-Steuerung.

Warum ist IT-Governance erforderlich?

  1. Rechtliche und regulatorische Anforderungen
    Unternehmen müssen oft zahlreiche gesetzliche Vorgaben erfüllen – von der DSGVO über das BDSG bis hin zu branchenspezifischen Regeln und Sicherheitsstandards wie ISO 27001 oder NIS2. Eine klare Governance-Struktur hilft dabei, all diese Anforderungen systematisch umzusetzen, statt im Chaos zu versinken.
  2. Risikominimierung
    Cyberangriffe, Datenverluste oder Systemausfälle können schnell existenzbedrohend werden. Mit einer guten IT-Governance haben Unternehmen strukturierte Risikoanalysen, klare Verantwortlichkeiten und ein funktionierendes Kontrollsystem an der Hand, um solche Gefahren frühzeitig zu erkennen und abzuwehren.
  3. Wirtschaftlichkeit und Effizienz
    Ohne klare Regeln entstehen oft Schatten-IT, doppelte Systeme, unkoordinierte Softwarekäufe und ineffiziente Abläufe. Governance schafft hier Transparenz und stellt sicher, dass IT-Investitionen dort getätigt werden, wo sie der Unternehmensstrategie am meisten nützen.
  4. Strategische Ausrichtung
    IT-Governance stellt sicher, dass Digitalisierungsprojekte nicht isoliert nebeneinanderher laufen, sondern strategisch koordiniert und erfolgreich umgesetzt werden.

Kernelemente einer wirksamen IT-Governance

Eine wirksame IT-Governance besteht aus mehreren Bausteinen, die gut zusammenarbeiten müssen. Ganz wichtig sind klare Verantwortlichkeiten: Wer entscheidet was? Welche Rolle spielt die Geschäftsführung, welche die IT-Leitung? Wie ist der Datenschutzbeauftragte eingebunden und welche Kontrollinstanzen gibt es? Diese Fragen müssen eindeutig beantwortet sein.

Dazu kommen Richtlinien und Standards, die den Alltag regeln – von IT-Sicherheitsrichtlinien über Berechtigungskonzepte bis hin zu Regeln für Cloud-Nutzung, Softwarebeschaffung sowie Lösch- und Archivierung. Diese Regeln müssen nicht nur auf Papier stehen, sondern auch kommuniziert und regelmäßig überprüft werden.

Ein weiterer zentraler Baustein ist das Risikomanagement mit einem internen Kontrollsystem. IT-Risiken müssen systematisch erkannt, bewertet und überwacht werden. Das bedeutet regelmäßige Risikoanalysen, getestetes Notfallmanagement, funktionierende Backup-Konzepte und auch Penetrationstests. Viele dieser Themen sind übrigens auch Teil der technischen und organisatorischen Maßnahmen nach Artikel 32 der DSGVO.

Schließlich braucht es gutes Monitoring und Reporting: Mit Kennzahlen zur Systemverfügbarkeit, Incident-Rate, Bearbeitungszeiten oder Audit-Ergebnissen lässt sich die Leistung der IT messen und regelmäßig an die Geschäftsleitung berichten. So bleibt alles im Blick und kann bei Bedarf nachgesteuert werden.

Rolle des Datenschutzes in der IT-Governance

Datenschutz ist kein isoliertes Rechtsgebiet, sondern Querschnittsthema. Eine wirksame IT-Governance schafft die strukturellen Voraussetzungen für:

  • Nachweisfähigkeit (Rechenschaftspflicht)
  • transparente Verantwortlichkeiten
  • dokumentierte Entscheidungsprozesse
  • Privacy by Design und by Default

Eine etablierte IT-Governance integriert Datenschutz strategisch und gestaltet ihn proaktiv.

Fazit

IT-Governance ist ein wichtiges Fundament, damit Unternehmen ihre IT wirklich im Griff haben. Sie sorgt dafür, dass Technik und Geschäft Hand in Hand arbeiten und nicht nebeneinanderher. Mit klaren Regeln und Verantwortlichkeiten werden nicht nur Gesetze wie die DSGVO erfüllt, sondern auch Prozesse effizienter und sicherer.

Besonders wichtig: Datenschutz und IT-Compliance werden so von einer lästigen Pflicht zu einem echten Vorteil. Statt nur auf Probleme zu reagieren, können Unternehmen planbar mit Ihrer IT arbeiten. In der digitalen Welt ist gute IT-Governance daher kein Nice-to-have, sondern das A und O für jeden erfolgreichen Betrieb.

Gerne unterstützen wir Sie beim Aufbau und bei der Überprüfung Ihrer bestehenden IT-Governance. Sprechen Sie uns gerne darauf an.

Axel Keller
Axel Keller
Rechtsanwalt in Rostock
Tel.: +49 381 12 88 49 0