4-Tage-Woche: Das Arbeitsmodell der Zukunft?
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4-Tage-Woche: Das Arbeitsmodell der Zukunft?

Die Einführung der 4-Tage-Woche in Belgien erweckte bei vielen Arbeitnehmern und Arbeitgebern großes Interesse. Auch in Spanien und Island wird die 4-Tage-Woche getestet. In Schweden ist das neue Arbeitszeitmodell in Krankenhäusern und Altersheimen bereits zum Standard geworden. Und in Deutschland? 71 Prozent der Deutschen befürworten die 4-Tage-Woche, zitiert die Süddeutsche Zeitung eine aktuelle Forsa-Umfrage. Welche Vor- und Nachteile das Arbeitszeitmodell mit sich bringt, haben wir Unternehmensberater Andreas Bachmeier im Interview gefragt.

Die Belgier machen es vor, aber ist die 4-Tages-Woche in Deutschland überhaupt umsetzbar?

In vielen Bereichen kann das Arbeitszeitmodell ohne Weiteres etabliert werden. Gegebenenfalls müssen zusätzliche Mitarbeiter für den fehlenden Tag eingestellt werden. Viele Firmen testen aktuell das neue Arbeitszeitmodell und berichten mehrheitlich über eine gesteigerte Produktivität der Beschäftigten trotz verkürzter Arbeitswoche. Dabei geht es nicht nur um eine bessere „Work-Life-Balance“, sondern auch um die daraus resultierenden Langzeiteffekte.

Wie sehen diese Langzeiteffekte aus?

Insgesamt nimmt die Zufriedenheit im Privatleben aber auch im Job zu. Das führt zu höherer Kreativität und Motivation. Durch die geringere Arbeitszeit sind Arbeitnehmer auch tendenziell seltener krank und haben weniger Stress.

Darüber hinaus sind Arbeitgeber mit einer 4-Tage-Woche für potenzielle Bewerber attraktiver. Vor allem die jüngere Generation, die bald den Arbeitsmarkt bestimmen wird, legt viel Wert auf eine gute Work-Life-Balance und ist in Bezug auf ihren Job deutlich anspruchsvoller als ihre Vorgängergenerationen geworden.

Bei so vielen Vorteilen muss es aber auch Nachteile geben, richtig?

Natürlich kann eine 4-Tage-Woche nicht nur Vorteile haben, sondern bringt auch einige Nachteile mit sich. Für viele Arbeitnehmer würde eine kürzere Arbeitswoche auch mit Einbußen im Gehalt einhergehen, da Arbeitgeber nur selten genauso viel Geld für weniger Arbeit zahlen wollen. Auch kommt organisatorisch einiges an Mehraufwand auf die Unternehmen zu. Beispielsweise muss am fünften Wochentag Ersatz organisieren werden. Vor allem in Fabriken mit Schichtarbeit kann das zum Problem werden.

Welche Alternative könnte man für diese Betriebe umsetzen?

Ein Ansatz ist die Reduktion der Wochenarbeitszeit in der 5-Tage-Woche. Pro Tag arbeiten Arbeitnehmer dann zum Beispiel nur noch sechs Stunden. Viele Mitarbeiter sind ohnehin nur für begrenzt lange Zeit am Stück konzentriert. Wohl nur die wenigsten Beschäftigten sind wirklich acht Stunden am Tag in der Lage, sich konzentriert auf die Arbeit zu fokussieren. Auch dieses Modell kann zu mehr Effizienz und Rentabilität führen und langfristig Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit steigern.

Ist die 4-Tage-Woche also das Arbeitsmodell der Zukunft?

Ob sich die 4-Tage-Woche in Deutschland auch langfristig durchsetzen wird, ist schwer vorherzusagen. Letztlich ist es in vielen Bereichen nur eine Frage der richtigen Planung. Wenn der Arbeitsalltag schlanker wird und sich die Mitarbeiter auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren können, kann die 4-Tage-Woche möglich sein. Das führt unweigerlich aber auch zu der Frage, welche Bestandteile im Arbeitsalltag optimiert und gegebenenfalls auch gestrichen werden können. Dies ist Aufgabe der Geschäftsführung, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass eine 4-Tage-Woche funktionieren kann.

Ansprechpartner

Unternehmensberater in Dingolfing, Andreas Bachmeier
Andreas Bachmeier
Tel.: +49 8731-75 96 0
Unternehmensberater in Dingolfing
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