Lohnt sich die vorgezogene Altersrente für Ärzte?
Share >

Lohnt sich die vorgezogene Altersrente für Ärzte?

Früher in Rente gehen und Steuern sparen klingt verlockend. Dass diese Strategie steuerlich vorteilhaft ist, aber wirtschaftlich Nachteile mit sich bringen kann, bedenken die Wenigsten.

Wirtschaftliche Aspekte der vorgezogenen Altersrente

Bei der vorgezogenen Altersrente müssen Ärzte einen Abschlag in Kauf nehmen. In Bayern hat ein Arzt beispielsweise Anspruch auf Altersruhegeld, wenn er das 60. Lebensjahr vollendet hat – bei Mitgliedschaften in der Ärzteversorgung nach dem 31.12.2011 erst mit Vollendung des 62. Lebensjahrs.

Beispiel: Ein Arzt der bayerischen Ärzteversorgung würde regulär am 01.01.2022 abschlagsfrei in Rente gehen. Macht er das schon ein Jahr früher, dann beträgt der Abschlag (bei Vollruhegeld) 0,46 Prozent/Monat. Die Gesamtminderung des Ruhegelds ergibt sich dann aus der Addition der für jeden Monat des Vorziehzeitraums zutreffenden Abschlagsprozentsätze.

Der Abschlag soll die voraussichtlich längere Bezugsdauer der Rente berücksichtigen und gilt fort, wenn das Mitglied die Regelaltersgrenze erreicht. Gleichzeitig verkürzt sich aber der Einzahlungszeitraum. Deshalb muss man nicht nur den in der jährlichen Mitteilung des Versorgungswerks genannten Anspruch prozentual kürzen, sondern auch zuerst den geringeren Rentengrundanspruch ermitteln.

Welcher Zeitpunkt für den Rentenbeginn gut ist, hängt auch davon ab, ob mit ihm der Finanzbedarf im Alter gedeckt ist. Außerdem sollten Ärzte bedenken, dass eine Hinterbliebenenversorgung (Witwen-, Waisenrente) vom Zeitpunkt des Rentenbeginns abhängt.

Was steuerlich auf Ärzte zukommt

Rentenbezüge sind seit dem 01.01.2005 sukzessive voll zu besteuern. Dafür können Ärzte Beitragszahlungen als Altersvorsorgeaufwendungen steuermindernd geltend machen. Bei der Wahl des Zeitpunkts der Renteninanspruchnahme ist daher zu beachten, dass sich mit jedem Jahr der späteren Renteninanspruchnahme der Anteil, der der Besteuerung unterliegt, erhöht. Allerdings entfällt mit Rentenbezug die Möglichkeit, Beiträge an die Ärzteversorgung zu zahlen und diese steuerlich abzusetzen.

Beispiel: Ein Arzt würde regulär im Jahr 2022 mit einem Besteuerungsanteil von 82 Prozent in Rente gehen. Geht er ein Jahr früher in Rente, beträgt er nur 81 Prozent.

Darauf sollten Ärzte achten

Durch die vorgezogene Rente endet die Beitragspflicht, was zu einer Verbesserung der Liquidität führt. Eine höhere Steuerbelastung verringert diesen Effekt: Wegfall des Sonderausgabenabzugs und Besteuerung der Rente. Gleichzeitig sichert sich der Arzt mit der vorgezogenen Rente aber dauerhaft eine niedrige Besteuerung im Alter. „Es gibt leider keinen allgemeinen besten Zeitpunkt für den Renteneintritt. Prüfen Sie die gegenläufigen Effekte in Ihrem Fall und wägen Sie sie gegeneinander ab“, rät Ecovis-Steuerberater Jürgen Denk in Neumarkt in der Oberpfalz.

Jürgen Denk, Steuerberater bei Ecovis in Neumarkt in der Oberpfalz