Fachkräfteeinwanderung nach Deutschland: Beschleunigtes Arbeitsvisum für internationale Talente
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Fachkräfteeinwanderung nach Deutschland: Beschleunigtes Arbeitsvisum für internationale Talente

Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem deutlichen Fachkräftemangel. Besonders betroffen sind Branchen wie Ingenieurwesen, IT und Gesundheitswesen. Durch den demografischen Wandel sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter, während der Bedarf an qualifizierten Fachkräften weiter steigt. Studien zeigen, dass rund 43 % der deutschen Unternehmen offene Stellen nicht besetzen können, weil geeignete Bewerber fehlen.

Um die wirtschaftliche Entwicklung und technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, hat Deutschland seine Einwanderungspolitik für Fachkräfte in den letzten Jahren deutlich geöffnet. Dazu gehören unter anderem erleichterte Voraussetzungen für die EU Blue Card, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sowie vereinfachte und beschleunigte Arbeitsvisaverfahren. Diese Maßnahmen schaffen neue Chancen für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern, insbesondere aus Ländern mit großen Talentpools wie China.

China verfügt über eine große Zahl hervorragend ausgebildeter Fachkräfte in Bereichen wie Ingenieurwesen, Softwareentwicklung und Industrieproduktion. Durch optimierte Visum- und Einwanderungsverfahren möchte Deutschland diese Talente gewinnen und gleichzeitig den Fachkräftemangel im eigenen Land reduzieren.

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Richard Hoffmann
Richard Hoffmann
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Beschleunigtes Fachkräfteverfahren

Um internationale Fachkräfte schneller nach Deutschland zu holen, wurde im Jahr 2020 das beschleunigte Fachkräfteverfahren gemäß §81a Aufenthaltsgesetz (AufenthG) eingeführt.

Dieses Verfahren wird vom deutschen Arbeitgeber initiiert. Die zuständige Ausländerbehörde übernimmt eine koordinierende Rolle und stimmt die einzelnen Schritte frühzeitig mit anderen Behörden ab, insbesondere die Anerkennung von Hochschulabschlüssen und Berufsqualifikationen, die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit sowie die Prüfung der aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen.

Durch diese zentrale Koordination können Bearbeitungszeiten deutlich verkürzt und der gesamte Visumsprozess besser planbar gestaltet werden.

Das beschleunigte Verfahren eignet sich besonders für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten, Ingenieure und IT-Spezialisten, technische Fachkräfte und qualifizierte Arbeitnehmer sowie für Personen, deren Berufsabschluss in Deutschland anerkannt werden muss. Voraussetzung ist in der Regel ein konkretes Arbeitsangebot eines deutschen Unternehmens.

Das Verfahren gilt grundsätzlich bundesweit, allerdings kann die tatsächliche Bearbeitungsgeschwindigkeit je nach Bundesland unterschiedlich sein.

Baden-Württemberg: One-Stop-Modell der Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften (LZF)

Das Bundesland Baden-Württemberg gilt als Vorreiter bei der Umsetzung des beschleunigten Fachkräfteverfahrens. Hier wird das Verfahren zentral von der Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften (LZF) organisiert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern, in denen verschiedene lokale Ausländerbehörden zuständig sind, arbeitet Baden-Württemberg mit einem zentralisierten One-Stop-Modell. Die LZF übernimmt unter anderem die Anerkennung von Hochschulabschlüssen und Berufsqualifikationen, die Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit sowie die Prüfung der aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen und die Koordination des Visumverfahrens.

Durch diese zentrale Struktur werden Mehrfachkommunikation und wiederholte Dokumenteneinreichungen vermieden, was den gesamten Prozess erheblich beschleunigt. Für internationale Fachkräfte – insbesondere für Bewerber aus China, die mit dem deutschen Verwaltungssystem nicht vertraut sind – bietet dieses Modell eine deutlich höhere Planungssicherheit.

Die LZF betreibt zwei zentrale Standorte: Das Regierungspräsidium Stuttgart ist für Gesundheits- und Pflegeberufe zuständig, während das Regierungspräsidium Karlsruhe (Abteilung 8) Ingenieur-, IT- und andere technische Fachkräfte betreut.

Praxisbeispiel

Ecovis unterstützte ein Unternehmen aus Karlsruhe bei der Beantragung eines Arbeitsvisums für einen Mitarbeiter aus China. Der Mitarbeiter hatte ursprünglich einen Bachelorabschluss in Biologie, arbeitete anschließend jedoch viele Jahre erfolgreich im Vertrieb und wurde aufgrund seiner Leistungen von einem deutschen Unternehmen angeworben.

Im Rahmen des Visumverfahrens empfahl Ecovis dem Arbeitgeber die Nutzung des beschleunigten Fachkräfteverfahrens nach §81a AufenthG. Zunächst wurde der ausländische Hochschulabschluss in Deutschland nur teilweise anerkannt, sodass eine direkte Beantragung der EU Blue Card zunächst nicht möglich war. Das Ecovis-Team analysierte den Fall, bereitete zusätzliche Unterlagen auf und reichte diese erneut bei der zuständigen LZF ein.

Bereits innerhalb einer Woche wurde die Zustimmung erteilt, und zwei Wochen später erhielt der Mitarbeiter sein Visum. Die Bearbeitungszeiten der LZF lagen damit deutlich unter den üblichen Zeiten anderer Bundesländer. In vergleichbaren Fällen, bei denen Ecovis Arbeitsvisa über Behörden in Frankfurt oder München betreut hatte, waren die Wartezeiten mehr als fünfmal so lang.

Beschleunigtes Arbeitsvisum: Vorteile für Unternehmen und Fachkräfte

Für deutsche Unternehmen ist das beschleunigte Fachkräfteverfahren ein wichtiges Instrument, um hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern zu gewinnen. Durch die koordinierte Bearbeitung und frühzeitige Prüfung der Voraussetzungen lassen sich Visumsprozesse erheblich verkürzen und Risiken von Verzögerungen oder Ablehnungen reduzieren.

Ecovis verfügt über umfangreiche Erfahrung im Bereich Fachkräfteeinwanderung und Arbeitsvisa für Deutschland. Wir begleiten Unternehmen und internationale Fachkräfte während des gesamten Prozesses – von der ersten Prüfung der Voraussetzungen über die strategische Planung bis zur Durchführung des beschleunigten Verfahrens und der Visumantragstellung. So können qualifizierte Fachkräfte schneller und rechtssicher ihre Tätigkeit in Deutschland aufnehmen, während Unternehmen dringend benötigte Talente gewinnen.

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