Das türkische Steuersystem

14.01.2015

Das türkische Steuersystem ist den EU Steuersystemen sehr ähnlich. Das Steuerverfahrensrecht sowie die Abgabenordnung, die Körperschaftsteuer und die Einkommensteuer sind aus dem deutschen System abgeleitet; die Umsatzsteuer hingegen wurde aus dem belgischen System abgeleitet. Des Weiteren wurden auch spezielle Verbrauchssteuern nach europäischem Vorbild eingeführt.

Die wichtigsten Steuerarten im türkischen Steuersystem sind die folgenden:

  • Einkommensteuer (Gelir Vergisi)
  • Körperschaftsteuer (Kurumlar Vergisi)
  • Umsatzsteuer (Katma Deger Vergisi)
  • Spezielle Konsumsteuer (Özel Tüketim Vergisi)

Wichtig ist, dass in der Türkei keine der Gewerbesteuer entsprechende Steuer erhoben wird.

1.1. Ertragsteuern in der Türkei
1.1.1. Einkommensteuer
Alle natürlichen Personen unterliegen der Einkommensteuer. Dabei ist wie im deutschen Steuerrecht auch, zwischen der unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht zu unterscheiden.
Die Kriterien im türkischen Einkommensteuergesetz sind der Wohnsitz und die Staatsangehörigkeit einer Person. Dabei muss eine Person, die ihren Wohnsitz in der Türkei hat, ihr weltweit erzieltes Einkommen versteuern.
Alle Personen, die sich mehr als sechs Monate in einem Kalenderjahr in der Türkei aufhalten, werden als Bürger der Türkei angesehen und unterliegen damit der unbeschränkten Steuerpflicht.
Allerdings werden Ausländer, die sich sechs Monate oder länger für einen bestimmten Job, bestimmte Geschäfte oder andere Zwecke, die im Einkommensteuergesetz aufgeführt sind, in der Türkei aufhalten, beschränkt steuerpflichtig behandelt.
Neben dem Kriterium des Wohnsitzes, gilt auch das Kriterium der Staatsangehörigkeit. Letzteres ist unabhängig vom Aufenthaltsstatus zu betrachten und gilt nur in beschränktem Umfang.
Türkische Staatsangehörige, die im Ausland leben und für den Staat oder eine staatliche Einrichtung arbeiten, werden als unbeschränkt steuerpflichtig angesehen. Dies gilt auch für Beschäftigte eines Unternehmens, dessen Hauptsitz in der Türkei ansässig ist. Sie unterliegen der Einkommenssteuer mit ihrem gesamten, weltweit erzielten Einkommen.
Als beschränkt steuerpflichtig gelten alle Ausländer. Diese müssen lediglich jenes Einkommen versteuern, welches sie in der Türkei erworben haben. Aus steuerlichen Gesichtspunkten ist es besonders wichtig zu bestimmen, ob das Einkommen in der Türkei erzielt wurde. Mit diesen Aspekten setzt sich der Artikel 7 des Einkommenssteuergesetzes auseinander.
Der Einkommensteuer unterliegen folgende Einkunftsarten:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Zirai kazanclar)
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Ticari kazanclar)
  • Einkünfte aus selbständiger Arbeit (Serbest meslek kazanclari)
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Ücretler)
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen (Menkul sermaye iratlari)
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (Gayrimenkul sermaye iratlari)
  • Sonstige Einkünfte (Diger kazanc iratlar)

Die Gesellschafter der Kollektivgesellschaften, Kommanditgesellschaften sowie Limited-Kommanditgesellschaften (GmbH & Co. KG) erwirtschaften wie im deutschen Steuersystem auch Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Der Artikel 103 des Einkommenssteuergesetzes bestimmt die Tarife des zu versteuernden Einkommens. Die Tarife aus dem Jahr 2015 sind im Folgenden aufgeführt:

 

Unteres Ende Oberes Ende   Steuer auf das Untere Ende  Steuersatz (%)
 0  –  12.000TL  0 TL  15 %
 12.000 TL  –  29.000 TL  1.800 TL  20 %
 29.000 TL  –  66.000 TL  5.200 TL  27 %
 66.000 TL  15.190TL  35 %

 

Einige Einkommensarten werden mit einer Abgeltungssteuer besteuert. Einige dieser Abgeltungssteuersätze des Artikels 94 des türkischen Einkommenssteuergesetzes werden im Folgenden aufgeführt:

 

 Art des Einkommens Abgeltungssteuersatz (in 2014)
 Lohnzahlungen  (Entsprechend der Tarife des Artikels 103) 15%- 35%
Urheberrechte und ähnliche Rechte (Artikel 18)  17%
Zahlungen für selbstständige Arbeit  20 %
Zahlungen für Bauarbeiten, die mehr als ein Jahr umfassen  3 %
Zahlungen beschränkt Steuerpflichtiger für Urheberrechte und ähnliche Rechte  20 %
Zahlungen für Vermietung  20%
Dividendenzahlungen  15%
Erträge aus Staatsanleihen und Rechnungen für Ausländer  0%*
Erträge aus sonstigen Schuldverschreibungen und Wertpapieren  10%*

 

Zwischen Deutschland und der Türkei besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen. Dieses Abkommen regelt die Besteuerung der Einkünfte zwischen beiden Staaten, so dass die Einkünfte in einem Staat von der Besteuerung durch Freistellung bzw. Anrechnung ausgenommen werden, so dass die Doppelbesteuerung vermieden wird.

1.1.2. Körperschaftssteuer
Juristische Personen (tüzel kisiler) unterliegen der Körperschaftsteuer (Kurumlar Vergisi). Diese sind u.A. Aktiengesellschaften (anonim sirket) sowie GmbH´s (limited).
Der Körperschaftssteuersatz beträgt 20%. Die Körperschaftsteuer ist quartalsweise abzuführen. Diese ist im Gegensatz zu den deutschen Steuervorauszahlungen sehr genau zu berechnen und zu übermitteln und darf keine Abweichungen zur Jahreserklärung beinhalten. Für die Überprüfung dieser Quartalsberechnung sind die türkischen Steuerberater zuständig.

1.2. Die türkische Umsatzsteuer
Das Mehrwertsteuersystem wurde 1985 in der Türkei wirksam. Das türkische Mehrwertsteuersystem ist dem EU System sehr ähnlich. Dennoch gibt es einige Unterschiede.
Die türkische Umsatzsteuer (Katma Deger Vergisi) wird auf den Verkauf von Waren, auf Importe und auf Dienstleistungen erhoben. Obwohl die Umsatzsteuer eine allgemeingültige Steuer ist, gibt es eine Menge Ausnahmen im Umsatzsteuersystem. Einige davon sind im Folgenden aufgeführt:

  • Ausfuhrlieferungen,
  • Petroleum und Investitionen (Investitionsanreiz-Bescheinigung notwendig)
  • Transit Transporte,
  • Befreiungen im diplomatischen Bereich,
  • Soziale Befreiungen,
  • Andere Befreiungen (z.B. für Gold und Schmuck-Verkäufe)

Das türkische Umsatzsteuer-System hat drei verschiedene Steuersätze, diese lauten wie folgt:

  • 18 % beträgt der generelle Steuersatz,
  • 1 % stark ermäßigter Steuersatz für Lieferungen und Leistungen aus der Liste 1 (z.B. einige Produkte aus der Landwirtschaft wie Baumwolle und Haselnuss etc.)
  • 8% ermäßigter Steuerssatz für Lieferungen und Leistungen aus der Liste 2 (z.B. einige Lebensmittel, Bücher etc.)

1.3. Sonstige Steuern
Die Türkei hat einige andere Steuern, darunter eine spezielle Verbrauchssteuer, Stempelsteuer, Zoll-, Erbschafts-und Schenkungssteuer, Grundsteuer, Kfz-Steuer.
Die Wirtschaftsgüter, auf die die spezielle Konsumsteuer (Özel Tüketim Vergisi) erhoben wird sind in einer Liste mit den entsprechenden Steuersätzen aufgeführt. Diese wird beispielsweise auf im Haushalt verwendete Gegenstände wie Kühlschränke, Fernseher oder auch Fahrzeuge erhoben.

2. Steuerliche Beurteilung von Gesellschaftsgründungen in der Türkei
Die Personengesellschaften (Kollekiv- und Kommanditgesellschaften) unterliegen mit Ihren Einkünften aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer.

Die Gesellschafter der Personengesellschaft können auch andere Einkünfte anstelle von Einkünften aus Gewerbebetrieb erzielen. Diese Unterscheidung der Einkünfte hat jedoch im Gegensatz zum deutschen Steuersystem keine große Bedeutung, da es in der Türkei keine Gewerbesteuer gibt, so dass die Zuordnung zu den Einkünften keine weitere Steuerart hervorruft. Durch die Zuordnung werden lediglich die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben unterschiedlich anerkannt und behandelt. Die Höhe der Einkommensteuer kann maximal 35% betragen.
Die Gründung von Personengesellschaften aus dem Ausland ist jedoch schwieriger als die Gründung von Kapitalgesellschaften.

Kapitalgesellschaften unterliegen der Körperschaftsteuer von 20%. Jedoch unterliegt bei Ausschüttungen an unbeschränkte natürliche Personen die Hälfte der Ausschüttung dem persönlichen Steuersatz von bis zu 35%, so dass die Gesellschaftsformen bei natürlichen Personen steuerlich keine großen Unterschiede aufweisen. Die Ausschüttung an beschränkt Steuerpflichtige wird jedoch nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Türkei anders besteuert.

3. Immobilienkauf in der Türkei
Natürliche Personen, die Immobilien in der Türkei erwerben möchten müssen folgendes beachten:
Gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen sind in der Türkei vermietete Immobilien nach dem Belegenheitsstaat, d.h. in der Türkei zu besteuern. Diese unterliegen dann der Einkommensteuer in der Türkei.

In Deutschland sind diese Einkünfte zwar von der Einkommensteuer freigestellt. Trotzdem müssen diese in der deutschen Steuererklärung im Rahmen des Progressionsvorbehaltes als freigestellte Einkünfte angegeben werden, so dass sich dadurch der Steuersatz für alle anderen Einkünfte in Deutschland verändert.