Die EU-Taxonomie-Verordnung: Ein Mittel zur Erreichung der Klimaneutralität?
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Die EU-Taxonomie-Verordnung: Ein Mittel zur Erreichung der Klimaneutralität?

Seit dem 12. Juli 2020 ist die EU-Taxonomie-Verordnung in Kraft. Ihr Ziel ist es, mehr Geld in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken, um so die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen.

Durch die Umleitung der Finanzströme soll die europäische Wirtschaft mittelbar hin zu einem klimaneutralen Wirtschaften gebracht werden. Grundlage ist die neue Taxonomie-Verordnung, die im Juli in Kraft getreten ist.

Was ist die Taxonomie-Verordnung der EU?

Die Taxonomie-Verordnung ist ein Klassifizierungssystem für Wirtschaftsaktivitäten. Mithilfe der Taxonomie sollen Anleger gezielt in nachhaltige Technologien und Unternehmen investieren können. Der Grundgedanke dahinter lautet, dass Investoren grundsätzlich eine nachhaltigere Geldanlage bevorzugen.

Wann gelten Wirtschaftsaktivitäten nach der Taxonomie-Verordnung als ökologisch nachhaltig?

Zur Bestimmung des Grads der ökologisch nachhaltigen Tätigkeiten eines Unternehmens, werden vier Kriterien definiert. Die Wirtschaftsaktivitäten müssen einen wesentlichen Beitrag zu einem oder mehreren in der Verordnung genannten Umweltzielen leisten, sie dürfen keine erhebliche Beeinträchtigung hinsichtlich eines oder mehrerer Umweltziele darstellen, sie müssen die Arbeitsschutz- und Menschenrechtsstandards und weitere technische Bewertungskriterien erfüllen.

In Artikel 9 der Verordnung werden die folgenden Umweltziele im Sinner der Verordnung definiert:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

Die Umweltziele im Einzelnen

Artikel 10 der EU-Taxonomie-Verordnung besagt, dass eine Wirtschaftstätigkeit dann als ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz eingestuft wird, wenn sie wesentlich dazu beiträgt, die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre zu begrenzen. Oberstes Ziel ist das Einhalten des Temperaturziels des Pariser Klima-Abkommens.

In Artikel 11 wird zudem ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel formuliert. Hier liegt der Kern in Anpassungslösungen, die nachteilige Auswirkungen auf das Klima verringern.

Eine nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen ist nach Artikel 12 dann gegeben, wenn Verunreinigungen vermieden werden oder die Effizienz der Wasserbewirtschaftung erhöht wird.

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft wird laut Artikel 13 gefördert, wenn sich die Wirtschaftstätigkeiten auf die nachhaltigere Nutzung natürlicher Ressourcen beziehen. Hierzu zählen die Reduktion des Einsatzes von primären Rohstoffen aber auch die Erhöhung der Haltbarkeit, Reparaturfähig- und Wiederverwendbarkeit von Produkten.

Eine Wirtschaftstätigkeit leistet gemäß Artikel 14 einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, wenn sie Emissionen verringert oder vermeidet (abgesehen von Treibhausgasen) oder die Luft-, Wasser- und Bodenqualität verbessert. In Artikel 14 geht es um eine nachhaltige Land- und Waldnutzung sowie -bewirtschaftung . Die Waldwirtschaft soll zum Schutz und zur Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme beitragen.

Die Einstufung, inwiefern eine Wirtschaftsaktivität einem oder mehreren der vorgenannten Ziele dient, erfolgt anhand technischer Bewertungskriterien. Diese werden ebenfalls durch die Kommission festgelegt und in einem sogenannten delegierten Rechtsakt geregelt.

Welche Unternehmen haben nach der Taxonomie-Verordnung eine Berichtspflicht?

Die von der EU-Taxonomie-Verordnung vorgeschriebene Berichtspflicht richtet sich unter anderem an alle Unternehmen, die zur nichtfinanziellen Berichterstattung nach § 289b bzw. § 315b HGB verpflichtet sind. Es handelt sich dabei um große, kapitalmarktorientierte Unternehmen.

Berichtspflichtige Unternehmen müssen über die Anteile ihrer ökologischen nachhaltigen Umsatzerlöse, Investitionen (CapEx) und Aufwendungen (OpEx) informieren.

Eine Berichtspflicht für andere Unternehmen, wie zum Beispiel kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besteht nicht. Diese dürfen auf freiwilliger Basis Informationen über ihre nachhaltigen Aktivitäten veröffentlichen und offenlegen.

Ab wann gilt die Berichtspflicht?

Die Berichtspflicht gilt ab dem 1. Januar 2022. Für das erste Berichtsjahr (2021) müssen die Gesellschaften vorerst nur über den Anteil der Tätigkeiten bezogen auf die beiden ersten beiden Ziele, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, berichten.

Im Berichtsjahr 2022 müssen auch Ziele bezüglich der Nutzung und des Schutzes von Wasser- und Meeresressourcen, der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, der Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und der Schutz und die Wiederherstellung der Biodiversität sowie der Ökosysteme offengelegt werden.

Unsere Einschätzung

Ob die Taxonomie-Verordnung tatsächlich einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten wird, hängt von ihrer konkreten Umsetzung durch die berichtspflichtigen Unternehmen ab und davon, ob die Adressaten dieser Berichterstattung die entsprechenden Schlüsse ziehen und in nachhaltige(re) Wirtschaftsaktivitäten investieren. Sie wirkt nicht direkt auf die Unternehmen und deren Aktivitäten, sondern über den Umweg der Berichterstattung und der Finanzierung. Sie ist mithin ein weiterer Baustein in der Klima-Agenda der EU, der insbesondere darauf setzt, dass die Transparenz über Klimaauswirkungen auf dem Finanzmarkt zur Lenkung von Investitionen in klimafreundliche(re) Aktivitäten führt. Ob dem aber tatsächlich so ist, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Taxonomie-Verordnung betrifft zunächst nur große kapitalmarktorientierte Unternehmen. Wir gehen davon aus, dass sich die Berichtspflichten in den kommenden Jahren erweitern werden. So hat zum Beispiel der Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung Anfang diesen Jahres umfangreiche Berichtspflichten für alle Unternehmen ab einer Mitarbeiterzahl von 250 gefordert. Darüber hinaus dürften die großen, kapitalmarktorientierten Unternehmen auch entsprechende Angaben von ihren Zulieferern anfordern, um den eigenen Berichtspflichten nachzukommen. Wir empfehlen vorsorglich, dass sich zumindest die Unternehmen, die Teil der Lieferketten berichtspflichtiger Unternehmen sind, mit der Taxonomie-Verordnung befassen.

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Steuerberater, Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf and Düsseldorf, Thilo Marenbach
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