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Steuerreform in Österreich – Wann tritt was in Kraft und wer profitiert davon?

02.05.2019

Unter dem Schlagwort „Entlastung Österreich“ soll mit der Steuerreform der Wirtschaftsstandort Österreich attraktiver gestaltet werden und der Steuerzahler soll entlastet werden. Bis 2022 sollen durch das Entlastungsprogramm der Bundesregierung Unternehmen und Arbeitnehmer mit insgesamt 8,3 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden.

Bisher sind bereits der Familienbonus Plus, die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge und die Umsatzsteuer-Reduktion im Tourismus in Kraft getreten. Ab 2020 folgen in Etappen weitere Maßnahmen für Geringverdiener, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sowie Unternehmen.

Ab 2020 sollen niedrige Einkommen über die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge entlastet werden, die Grenze der geringwertigen Wirtschaftsgüter angehoben werden und Maßnahmen zur Entbürokratisierung im Umweltbereich gesetzt werden.

2021 wird als erste Etappe die Tarifsenkung der Einkommensteuerprogression eingeführt: die erste Steuerstufe soll von 25% auf 20% gesenkt werden. Des Weiteren soll das Werbungskostenpauschale erhöht werden, eine Neukodifizierung des Einkommensteuergesetzes und eine Vereinfachung der Gewinnermittlung eingeführt werden. Außerdem werden die Forschungsprämie ausgeweitet und Maßnahmen zur Erhöhung der Rechtssicherheit und der schnelleren Verfahrensdauer gesetzt.

Die zweite Etappe der Entlastung von Lohn- und Einkommensteuerzahlern über die Senkung der zweiten und dritten Steuerstufe von 35 auf 30 und von 42 auf 40 Prozent sowie Maßnahmen zur Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes, wie die Senkung der Körperschaftssteuer oder die Ausweitung des Gewinnfreibetrages auf 100.000 Euro, werden 2022 in Kraft treten. Ebenso kommt es zur Abschaffung von Bagatellsteuern und zur Schaffung einer einheitlichen Bemessungsgrundlage bei den Lohnnebenkosten.

Entlastung des Faktors Arbeit

Durch die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge sollen 1,8 Millionen geringverdienende Arbeitnehmer und 1,8 Millionen Pensionisten sowie 500.000 Selbständige und Land- und Forstwirte profitieren. Diese Maßnahme soll eine Entlastung von rund 900 Millionen Euro bringen. Durchschnittlich erhält so ein Arbeitnehmer 280 Euro pro Jahr, ein Pensionist im Durchschnitt 170 Euro pro Jahr.

Eine weitere Maßnahme zur Entlastung von Arbeit, ist die Senkung der ersten drei Tarifstufen des progressiven Einkommensteuertarifs. Diese Maßnahme soll 3,9 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr bringen. Die Progressionsstufen sollen wie folgt abgeändert werden:

Einkommen von Einkommen bis Steuersatz alt Steuersatz neu
0 Euro 11.000 Euro 0% 0%
11.000 Euro 18.000 Euro 25% 20%
18.000 Euro 31.000 Euro 35% 30%
31.000 Euro 60.000 Euro 42% 40%
60.000 Euro 90.000 Euro 48% 48%
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50% 50%
1.000.000 Euro 55% 55%

Eine weitere vereinfachende Maßnahme für steuerzahlende Arbeitnehmer soll die Erhöhung des Werbungskostenpauschales von 132 Euro auf 300 Euro pro Jahr bringen. Diese Maßnahme soll eine Entlastung von rund 140 Millionen erwirken.

Mehr Attraktivität für Österreich als Wirtschaftsstandort

„Entlastung Österreich“ soll nicht nur für die Arbeitnehmer und Geringverdiener einen Vorteil bringen – insgesamt 1,5 Milliarden Euro Entlastung für Unternehmer soll Österreich als Wirtschaftsstandort attraktiver machen und Wachstum, Investitionen, Eigenkapitalausstattung sowie Schaffung von Arbeitsplätzen fördern.

Wesentlichstes Kernstück hierbei soll die Senkung des Körperschaftsteuersatzes sein: Um im internationalen Wettbewerb nicht an Attraktivität zu verlieren, will die Bundesregierung in 2022 die Körperschaftsteuer von 25% auf 23% senken und im Jahr 2023 auf 21%. Daraus ergibt sich für österreichische Unternehmen ab 2022 eine Entlastung im Ausmaß von rund 800 Millionen Euro und ab 2023 um 1,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Außerdem sollen weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Österreich gesetzt werden:

  • Erweiterung des Grundfreibetrag bis 100.000 Euro für einkommensteuerzahlende Unternehmen zur Senkung der Steuerbemessungsgrundlage (Entlastung: 100 Millionen Euro).
  • Anhebung Grenze der geringwertigen Wirtschaftsgüter von 400 Euro auf 800 Euro im Jahr 2020 und auf 1.000 Euro im Jahr 2021 (Entlastung 300 Millionen Euro).
  • Begünstigung von Mitarbeitererfolgsbeteiligungen in Höhe von maximal 10% des Gewinns und jährlich bis zu 3.000 Euro pro Arbeitnehmer (Entlastung: 100 Millionen Euro).
  • Erhöhung der Kleinunternehmergrenze von 30.000 Euro auf 35.000 Euro.
  • Vereinfachende Pauschalierungsmöglichkeit für Gewinnermittlung im Bereich Einkommensteuer (Entlastung 75 Mio Euro).

Steuerliche Begünstigungen zur Vereinfachung im Umweltbereich

Die Steuerbelastung soll abhängig vom CO2-Ausstoß hin zu jenen Fahrzeugen verlagert werden, die einen überdurchschnittlich hohen CO2-Ausstoß verursachen. Ebenso wird die Bundesregierung die Grenzwerte des CO2-Ausstoßes bei der lohnsteuerlichen Behandlung von Fahrzeugen anpassen und bei der motorbezogenen Versicherungssteuer neben der Motorleistung auch den CO2-Ausstoß aufkommensneutral mitberücksichtigen. Um für Betriebe den Anreiz zu erhöhen Mitarbeitern vermehrt Elektrofahrräder anzubieten, wird auch für diese die Möglichkeit des Vorsteuerabzuges bei unternehmerischer Tätigkeit geschaffen.

Abseits der Mobilität wird die Eigenstromsteuer für Photovoltaikanlagen abgeschafft. Auch Biogas, Wasserstoff und LNG werden steuerlich begünstigt – nachhaltig produzierter Wasserstoff und nachhaltig produziertes Biogas aus erneuerbaren Quellen wird dabei steuerfrei. Abschließend wird aus ökologischen Überlegungen und im Sinne der Gleichbehandlung künftig auch für elektronische Zeitungen und Bücher der ermäßigte Steuersatz von 10% zur Anwendung kommen.

Die Entlastungwirkung hierbei soll rund 55 Mio Euro betragen.

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