Finanzierungsformen Landwirtschaft

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Finanzierung: Mit fremdem Geld investieren

24.10.2019

Investitionen in Grund und Boden oder den Maschinenpark sind teuer. Da lohnt es sich, genau hinzuschauen und auszurechnen, welche Finanzierungsform für den Einzelfall infrage kommt.

Bei Investitionen stellt sich immer wieder die Frage, für welche Finanzierungsform sich ein landwirtschaftlicher Unternehmer entscheiden soll. Denn hier gibt es viele Möglichkeiten. Vom klassischen Bankkredit über Leasingfinanzierungen bis zur Hersteller- oder Händlerfinanzierung. „Grundsätzlich gilt dabei der Merksatz, langlebige Wirtschaftsgüter langfristig und kurzlebige Wirtschaftsgüter kurzfristig zu finanzieren“, erklärt Ecovis-Unternehmensberater Andreas Steinberger in Dingolfing.

Langfristige Finanzierung

Bei langfristigen Finanzierungen, beispielsweise für Investitionen in Grundstücke und Gebäude, steht die klassische Bankenfinanzierung an erster Stelle. Vorteil ist eine individuelle Finanzierungsgestaltung. „Zudem räumen Hausbanken bei einer gewachsenen Kundenbeziehung einen größeren Spielraum ein, wenn einmal ein Zahlungsengpass eintreten sollte“, sagt Steinberger. Nachteilig bei der Bankenfinanzierung ist ein aufwendiger Nachweis der Zahlungsfähigkeit. Steinberger rät, dass bei der Sicherstellung der Finanzierung darauf zu achten ist, dass die Bank nur Sicherheiten in Höhe der Finanzierung erhält. Denn im Rahmen der Finanzierung kommen die Banken oft in Versuchung, den gesamten Grundbesitz mit Grundschulden zu belasten, was bei zukünftigen Investitionen den Handlungsspielraum deutlich einschränkt.

Im landwirtschaftlichen Sektor bietet es sich insbesondere an, Kredite der Rentenbank, die über die Hausbank ausgezahlt werden, in Anspruch zu nehmen. Diese sind aufgrund einer Zinssubvention in der Regel günstiger als klassische Bankendarlehen.

Kurzfristige Finanzierungen

Bei Anschaffungen für den Maschinenpark werden gern Leasing- und Händlerfinanzierungen in Anspruch genommen. Die größten Vorteile beim Leasing: Die Leasingraten sind steuerlich absetzbar. Denn diese sind für den Leasingnehmer Betriebsausgaben. Und sie sind eine sichere Kalkulationsgrundlage, weil die Leasingraten während der Laufzeit immer gleich bleiben. „Da die Finanzierung durch die Leasinggesellschaft abgewickelt wird, hat der Leasingnehmer für künftige Investitionsentscheidungen einen breiteren finanziellen Handlungsspielraum, denn die Finanzierung erfolgt ja in den meisten Fällen außerhalb der bei Banken zu stellenden Sicherheiten“, erklärt Steinberger. Zudem wird die Abhängigkeit von Kreditinstituten verringert. Nachteile einer Leasingfinanzierung sind meist höhere Gesamtkosten gegenüber einer klassischen Finanzierung und die Tatsache, dass der Leasingnehmer nicht Eigentümer des Leasinggegenstands ist.

Händlerfinanzierungen

Viele Händler und Hersteller kooperieren mit Banken und bieten bei der Anschaffung von landwirtschaftlichen Geräten eine auf das Objekt abgestimmte Finanzierung an. Diese Art der Finanzierung kann interessant sein, da die Hersteller ihre hauseigene Bank subventionieren, um zum Beispiel neue Modelle auf dem Markt zu etablieren. Die Finanzierung kann daher aufgrund eines niedrigeren Zinses günstiger sein als eine Bankenfinanzierung. Allerdings trifft das nicht immer zu, da der Verhandlungsspielraum bei Rabatten geringer ist als bei einem Barkauf oder bei einer Finanzierung durch die Bank.

„Wir empfehlen unseren Mandanten, eine Vergleichsrechnung anzustellen. Dabei ist insbesondere der den Angeboten zugrunde liegende Zins mitentscheidend“, sagt Steinberger (siehe Beispielrechnung). Bei einer Bankenfinanzierung ist dieser problemlos nachvollziehbar. Bei einer Leasingfinanzierung ist der Zinsaufwand ein Bestandteil der Leasingrate und somit nicht erkennbar. Das ist natürlich ein Nachteil.

Bei der Entscheidung, ob Leasing oder Finanzierung durch die Bank besser ist, ist auch der Restwert zu berücksichtigen. Dieser kann bei einer sachgerechten Pflege und Verwendung beispielsweise eines Schleppers beim Leasing- oder Finanzierungsablauf ohne Weiteres höher sein als ursprünglich berechnet. In diesem Fall sind bei der Variante der Finanzierung die aufgedeckten stillen Reserven in der Gewinn- und Verlustrechnung als Ertrag zu berücksichtigen. Das führt im Jahr der Aufdeckung zu einer steuerlichen Mehrbelastung. „Eine pauschale Aussage, welche Finanzierungsform für welche Investition vorteilhafter ist, kann aber nicht getroffen werden. Es ist immer eine individuelle Prüfung notwendig“, erklärt Ecovis-Unternehmensberater Andreas Steinberger.

Beispielrechnung

Kostenvergleich der Finanzierungsformen Leasing und Bankkredit

Landwirt Maier plant die Anschaffung eines neuen Schleppers. Hierzu hat er sich ein Angebot seiner Hausbank und ein Leasingangebot seines Händlers besorgt. Er kann im direkten Vergleich sehen, dass die Bankenfinanzierung einen Vorteil in Höhe von 2.266,99 Euro bringt und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Leasingfinanzierung vorzuziehen ist.

Die Eckdaten der Angebote

Kaufpreis Schlepper 150.000,00 Euro
Nutzungsdauer zwölf Jahre
Laufzeit der Finanzierung (Leasing/Kredit) 60 Monate
Leasingrate monatlich 1.852,37 Euro
Einmalige Bearbeitungsgebühr beim Leasing, mit der ersten Leasingrate zu zahlen 125,00 Euro
monatliche Annuitätenrate (setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen) 1.796,46 Euro
Restwert (unterstellter Verkaufserlös bei Ablauf Leasing/Finanzierung) 52.500,00 Euro
Pauschaler Steuersatz 35 Prozent
Zinssatz bei der Bankenfinanzierung1) 2 Prozent

Was Bankenfinanzierung und Leasing kosten

  Bankenfinanzierung1 Leasing
Anschaffungspreis 150.000,00 Euro 150.000,00 Euro
Zinsen 10.278,21 Euro  
Tilgungen/Leasingraten 150.000,00 Euro 111.267,20 Euro
davon: Tilgungen 97.500,00 Euro  
davon: Restwert 52.500,00 Euro  

Auswirkungen auf die Steuern

  Bankenfinanzierung1 Leasing
Leasingraten   111.267,20 Euro
Zinszahlungen 10.278,21 Euro  
Lineare Absetzung für Abnutzung2 (AfA) 8,33 Prozent 62.500,00 Euro  
Sonderabschreibung 20 Prozent, die über die ersten fünf Jahre gleichmäßig verteilt wird 30.000,00 Euro  
Buchverlust3 5.000,00 Euro  
Zwischensumme 107.778,21 Euro 111.267,20 Euro
     
Steuerersparnis bei 35 Prozent pauschaler Steuersatz 37.722,00 Euro 38.944,00 Euro
     
Gesamt 70.056,21 Euro 72.323,20 Euro

1 Bei der Kreditfinanzierung wird unterstellt, dass der Traktor nach fünf Jahren verkauft und mit dem Verkaufserlös das restliche Bankdarlehen zurückgezahlt wird.

2 Bei der Abschreibung wurde eine Nutzungsdauer von zwölf Jahren unterstellt.

3 In der Berechnung ist unterstellt, dass der Restwert aus dem Kreditvertrag der Verkaufserlös ist. Bei einer Nutzungsdauer von zwölf Jahren ergibt sich zum Verkaufszeitpunkt ein Buchverlust in Höhe von 5.000 Euro. Dieser wurde entsprechend als erfolgswirksamer Aufwand berücksichtigt.

Andreas Steinberger, Unternehmensberater bei Ecovis in Dingolfing