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Familienunternehmen: Rückgrat der Wirtschaft


Steinbrücks Stiefkinder

Bei den neuen Steuergesetzen ziehen viele mittelständische Personengesellschaften den Kürzeren.

Familienunternehmen prägen die deutsche Unternehmenslandschaft. Neun von zehn Unternehmen liegen in der Hand von Familien und erwirtschaften insgesamt über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts. Dabei sind sie außerordentlich erfolgreich, wie das Institut für Mittelstandsforschung im Auftrag der Stiftung „Familienunternehmen“ herausgefunden hat. So steigerten die 30 Dax-Konzerne in den Jahren zwischen 2003 und 2005 ihre Umsätze um neun Prozent, die Umsätze der Familienunternehmen dagegen legten im gleichen Zeit-raum um 16 Prozent zu.

Besser geschlagen als die Dax-Schwergewichte haben sich familiengeführte Unternehmen auch im Boomjahr 2007. Der Gex-Index, der rund 120 in Frankfurt gelistete eigentümerdominierte Unternehmen umfasst, legte um rund 30 Prozent zu, der Dax hingegen kletterte nur um 22 Prozent. Im Langfristvergleich schneiden die Mittelständler sogar noch besser ab.

Ihre Stärke beziehen Familienunternehmen vor allem daraus, dass sie anders ticken als anonyme Kapitalgesellschaften. Neben der Renditeorientierung, die heute in vielen Publikumsgesellschaften das einzig dominierende Element ist, steht in den meisten Unternehmerfamilien immer auch eine Werteorientierung. Innerfamiliäre Solidarität, ein großes Verantwortungsgefühl für das Wohl der Mitarbeiter sowie die Verpflichtung gegenüber einem ethischen Ideal bilden häufig das Fundament von Familienunternehmen und beeinflussen das unternehmerische Handeln.

Im Gegensatz zu vielen Kapitalgesellschaften geht es in Familienbetrieben bescheidener zu. Jahresbezüge und Aktienoptionen im Millionenbereich sowie exorbitant hohe Abfindungen für ausscheidende Manager sind hier kein Thema. Dennoch stehen die Unternehmer für ihre Firmen gerade und tragen in der Regel das entschieden höhere Risiko als auf Zeit verpflichtete Manager. Entscheidungen werden im Hinblick auf Kontinuität und nicht auf kurzfristige Gewinnsteigerungen hin getroffen – schließlich soll das Unternehmen ja an die nächste Generation weitergegeben werden.

Auch als Arbeitgeber machen Familienunternehmen eine gute Figur. Nach Berechnungen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung war bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Jahren 2005 und 2006 ein Nettozuwachs von über 440.000 Stellen zu verzeichnen. Rund 355.000 der neuen Stellen - also gut 80 Prozent - gehen auf das Konto von kleinen und mittleren Unternehmen.

Vom Gesetzgeber vernachlässigt

Wo einer Unternehmensgruppe so viel volkswirtschaftliche Bedeutung zukommt, liegt eigentlich der Schluss nahe, ihr Wohl und Wehe würde bei der Gestaltung politischer Rahmenbedingungen besonders berücksichtigt. Doch weit gefehlt. Etliche der zum Mandantenkreis von Ecovis zählenden Familienunternehmen äußern sich angesichts der aktuellen steuerrechtlichen Situation unzufrieden. Ecovis-Vorstand Dr. Ferdinand Rüchardt wundert das nicht: „Vor allem für mittelständische Personengesellschaften bringt die Unternehmensteuerreform 2008 nicht die Entlastungs- und Vereinfachungswirkung, die sie erwartet hatten.” So hat der Finanzminister den Steuerentlastungen durch die Reform diverse Gegenfinanzierungsmaßnahmen gegenübergestellt, die besonders im Mittelstand mehr statt weniger Steuern zur Folge haben können. Neben Dauerschuldzinsen unterliegen künftig auch bestimmte Bestandteile von Mieten, Pachten, Lizenzen und Leasingraten der Gewerbesteuer. Die Konsequenz: Völlig unabhängig davon, ob ein Unternehmen Gewinne macht oder nicht, muss es auf einige seiner Kostenblöcke Steuern zahlen. „Besonders schlimm ist das für ertragsschwache Unternehmen, weil sie ihre Steuerlast nicht aus dem Gewinn begleichen können“, erklärt Ecovis-Experte Rüchardt. Darüber hinaus müssen die Unternehmen mit der Verschlechterung der Abschreibungsmöglichkeiten eine bittere Pille schlucken.

Weitere Lasten bringt die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer mit sich. Durch die Pauschalbesteuerung sollen Zinsen, Dividenden und Kursgewinne steuerlich gleichgestellt werden. Bei dieser Gleichstellung blieb jedoch unberücksichtigt, dass ausgeschüttete Gewinne von Kapitalgesellschaften bereits besteuert wurden und somit überproportional mit Steuern belastet werden.

Neue Stolpersteine für Familienunternehmen birgt auch die geplante Erbschaftsteuerreform. Danach sollen Firmenerben nur in den Genuss von Steuererleichterungen kommen, wenn sie ihren Betrieb 15 Jahre weiterführen und die Zahl der Beschäftigten über zehn Jahre annähernd konstant bleibt. „So etwas in einem sich ständig wandelnden Wirtschaftsumfeld zu fordern, ist schlichtweg unrealistisch“, urteilt Rüchardt über den Gesetzentwurf.

Dementsprechend kritisch fällt Rüchardts Fazit zur steuerlichen Behandlung familiendominierter Mittelstandsunternehmen aus: „Die großen Konzerne profitieren von den Entlastungen durch die Steuerreformen am meisten, der erheblich höhere volkswirtschaftliche Beitrag mittlerer und kleinerer Unternehmen wird dabei zu wenig berücksichtigt.“

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