Krisenmanagement- Finanzierungsprobleme aus heiterem Himmel
Selbst kerngesunde Unternehmen können in finanzielle Engpässe geraten, etwa wenn die Konjunktur plötzlich einbricht oder ein Großkunde pleite geht. Dann ist kompetente Beratung gefragt.
Alles lief bestens für den 1997 gegründeten Lohnfertiger, der tonnenschwere Maschinenteile, vor allem für Großgetriebe, bearbeitet – sprich: bohrt und fräst. Die Umsätze stiegen Jahr für Jahr, und die Auftragsbücher waren so gut gefüllt, dass sie für ein Dreivierteljahr im Dreischichtbetrieb reichten. Die Firma arbeitete so profitabel, dass dank der Gewinnrücklagen die Eigenkapitalquote auf rund 50 Prozent stieg. Vor diesem Hintergrund war es keineswegs gewagt, in die Erweiterung der Produktion zu investieren. So errichtete das Unternehmen, das bis dahin in einer gemieteten Halle produzierte, 2008/09 ein eigenes Betriebsgebäude. Zu 50 Prozent wurde der Bau aus Eigenmitteln finanziert, der Rest durch die steuerliche Investitionszulage, einen Landeszuschuss sowie Förder- und Hausbankdarlehen. Weil der Mietvertrag für die alte Halle noch bis Ende 2014 lief, zog zunächst nur ein Teil der Produktion in den Neubau. Zugleich planten die beiden Gesellschafter-Geschäftsführer die Anschaffung eines neuen Bearbeitungszentrums als Ersatz für eine veraltete Anlage, deren Mietvertrag Ende 2010 definitiv auslief. Doch vorher bekam das Unternehmen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu spüren. Das Auftragspolster schmolz, ab September 2009 brachen die Umsätze ein, die Liquidität verschlechterte sich. Der hohe Eigenmitteleinsatz beim Neubau wurde damit zum gefährlichen Bumerang.
Umfassendes Maßnahmenpaket
Wegen der anstehenden Entscheidung über die Maschineninvestition forderte die Hausbank ein Konzept zur Unternehmensfortführung an. Ecovis-Steuerberater Jan Brumbauer empfahl, Mittelstandsberaterin Sabine Winter von Ecovis einzuschalten. Nach der Ist-Analyse war ihr klar: „Das Unternehmen ist durchaus wettbewerbsfähig. Doch die Produktion muss, um Betriebskosten zu sparen, so schnell wie möglich komplett in den Neubau umziehen.“ Allerdings waren dafür zusätzliche Mittel erforderlich. Die Lösung: ein Investitionsdarlehen aus dem KfW-Sonderprogramm für Unternehmen, die durch die Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geraten waren. Zudem wurde der Mietvertrag für den alten Standort gegen eine Abstandszahlung vorzeitig aufgelöst. Dies aber würde das Liquiditätsproblem verschärfen. Die bestehende Kontokorrentlinie reichte nicht aus. Deshalb wurde über die Hausbank zusätzlich ein Betriebsmittelkredit aus dem KfW-Sonderprogramm beantragt – mit Erfolg. Weil die betrieblichen Kreditsicherheiten ausgereizt waren, ließen die beiden Unternehmer eine Grundschuld auf ein privates Wohnhaus eintragen; zudem gaben sie Gesellschafterdarlehen.
„Alle haben mitgezogen: Förderinstitute, Hausbank, selbst Gemeinde und Finanzamt durch Herabsetzung der Steuervorauszahlungen“, sagt Sabine Winter. Trotz Kurzarbeit ließen sich jedoch Entlassungen nicht vermeiden, weil der Umsatz 2010 um über 40 Prozent einbrach. Die Anschaffung des neuen Bearbeitungszentrums wurde daher vorerst zurückgestellt. Trotzdem kam das Unternehmen 2011, bei stark steigenden Umsätzen, erneut in Liquiditätsnöte. Grund: unerwartete Mehrkosten und Verzögerungen bei der Maschinenumsetzung. Wieder war der Rat von Ecovis gefragt, damit die Firma für einen weiteren Hausbankkredit eine 80-prozentige Bürgschaft der Bürgschaftsbank Sachsen erhielt.
Was wir Ihnen bieten können
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Stand: Donnerstag, 26.04.12