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Bilanzkennzahlen- Transparenz auf einen Blick


Kennzahlen wie der Cashflow helfen, betriebliche Planungen und Prozesse zu optimieren. Und sie festigen die Position gegenüber der Bank.


Eine angeschlagene Konjunktur und jede Menge Unsicherheiten prägen die Unternehmenslandschaft des Jahres 2009. Keine Frage: Wer in einem solchen Umfeld erfolgreich sein will, muss seine eigenen Stärken und Schwächen gut kennen. Mehr denn je gilt es jetzt, Fehlentwicklungen ebenso frühzeitig zu erkennen wie Chancen. Eine unverzichtbare Grundlage dafür sind die aus der Bilanz und dem Rechnungswesen abgeleiteten Kennzahlen. „Sie zeigen, wie der Betrieb dasteht, und bieten darüber hinaus wichtige Anhaltspunkte für die Unternehmenssteuerung“, sagt Thomas Franke, Steuerberater bei Ecovis. Ansatzpunkte gibt es zur Genüge. Welche Produkte sind erfolgreich und wo laufen die Kosten aus dem Ruder? Wie solide ist meine Finanzierung und wie steht es mit der Kreditwürdigkeit? Anlass für die systematische Analyse ist neben der Kontrolle des laufenden Geschäfts in schöner Regelmäßigkeit auch das Gespräch mit der Bank. Kennzahlen bieten da schon auf einen Blick erste Orientierungshilfen.



Signale für nachhaltige Liquidität

Das beginnt bei der „Goldenen Bilanzregel“ und damit bei dem Grundsatz, dass das Anlagevermögen durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital finanziert sein sollte. Die Einhaltung dieser Regel ist ein Signal dafür, dass das Unternehmen mittel- bis langfristig seine Liquidität aufrechterhalten kann. Ebenso wertet die Bank eine gemessen am jeweiligen Branchenstandard gute oder steigende Eigenkapitalquote als positives Zeichen. Denn: Je höher die damit ausgedrückte Kapitalkraft ist, als desto weniger anfällig gilt ein Unternehmen für Krisen.

Doch nicht nur das Kapitalfundament zählt, sondern auch das, was daraus gemacht wird. Sichtbar wird es am Cashflow. „Er zeigt, in welchem Umfang das Unternehmen aus seiner Tätigkeit heraus liquide Mittel verdient“, erläutert Thomas Franke. Eine nähere Analyse kann zudem deutlich machen, wohin das verdiente Geld geflossen ist. Waren vielleicht höhere Warenbestände oder mehr offene Forderungen dafür verantwortlich, dass trotz steigender Gewinne weniger Liquidität zur Verfügung steht? Wichtige Fragen sind das allemal – nicht zuletzt mit Blick auf die Fremdfinanzierung. Stellt man nämlich den Cashflow dem Fremdkapital gegenüber, so resultiert daraus die Kennzahl der Schuldentilgungsdauer. „Sie zeigt, wie schnell und sicher das Unternehmen seine Verbindlichkeiten zurück­zahlen kann – und macht damit möglichen Handlungsbedarf deutlich“, sagt Ecovis-Experte Franke.

Wer Zahlen also richtig interpretiert, kann Defizite erkennen und gleichzeitig bei der Bank Überzeugungsarbeit leisten: zum Beispiel wenn es um die Effizienz des Betriebs geht. Die Cashflow-Leistungsrate etwa setzt dazu den Cashflow ins Verhältnis zum Umsatz. Eine Rate von beispielsweise 12,9 Prozent bedeutet dann: Es bleiben von 100 Euro nur 12,90 Euro übrig, die dem Unternehmen tatsächlich als liquide Mittel zur Verfügung stehen.



Umsatzrendite und Kapitalrentabilität

Nicht minder wichtig ist die Gesamtkapitalrentabilität. Diese Kennzahl zeigt, mit welcher Effizienz das im Unternehmen eingesetzte Kapital arbeitet. Nimmt der Prozentsatz ab, so liegt etwas im Argen und die Suche nach den Ursachen sollte beginnen. Getreu dem Prinzip „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ lohnt es sich auch, die Umsatzrendite auf den Prüfstand zu stellen. Denn man erfährt dann, in welchem Maße aus einem Umsatz tatsächlich Gewinn entsteht. Wenn also in einem Quartal oder in einem Jahr trotz steigender Umsätze der Gewinn niedriger ist, wird auch das allemal ein Anlass für eine gründlichere Analyse sein. Muss die Produktpalette erneuert werden? Oder wurde vielleicht in einzelnen Bereichen zu teuer eingekauft?

Ihre Funktion als Steuerungssignal und Frühwarnsystem erfüllen Kennzahlen allerdings nur, wenn sie rechtzeitig und schnell abrufbar sind. Der Steuerberater trägt dazu eine Menge bei. Denn er kann über spezielle Software die relevanten Daten aus der Finanzbuchhaltung und dem Jahresabschluss automatisch in Kennzahlen umwandeln. Und er kann diese nutzbringend je nach individuellem Bedarf aufbereiten. „In einem Kennzahlen-Schnelltest beispielsweise machen wir wichtige Indikatoren basierend auf dem Prinzip einer Ampel auf einen Blick deutlich“, sagt Jan Brumbauer, Steuerberater bei Ecovis. Grün steht dabei für „gut“, Gelb steht für „befriedigend, aber im Auge zu behalten“. Rot wiederum gilt als Warnleuchte. Will heißen: So kann es in dem angezeigten Bereich nicht weitergehen.

Der Schnelltest beruht auf vier ausgewählten Kennzahlen, die jeweils für einen der vier relevanten Analysebereiche Finanzierung, Rentabilität, Liquidität und Erfolg stehen. „Wir können so quasi ein internes Kontrollsystem installieren und die Kennzahlen dann gemeinsam mit dem Unternehmer im weiteren Gespräch interpretieren und analysieren“, erklärt Brumbauer. Neben dem Ampelsystem und der Aufbereitung komprimierter Zahlen hilft dem Unternehmer auch die grafische Darstellung von Zeitreihenvergleichen, um über die verschiedenen Entwicklungen in einzelnen Perioden einen Überblick zu bekommen.

Solche Schnelltests und Vergleiche können bei Bedarf anhand der monatlichen Betriebswirtschaftlichen Auswertungen ebenso durchgeführt werden wie beim Jahresabschluss. Die Kennzahlen helfen zudem in schwierigen Zeiten oder gar im Sanierungsfall, Gesellschafter und Gläubiger von den Geschäftsperspektiven zu überzeugen. „Gerade in solchen Phasen, aber auch wenn es um anstehende Wachstumsprojekte geht, sind präzise Aussagen anhand von Kennzahlen nahezu unverzichtbar“, sagt Brumbauer. Und natürlich bringt die Analyse auch erfolgreichen Unternehmen immer wieder Ansatzpunkte für Verbesserungen und damit Wettbewerbsvorteile. Nicht zuletzt ist ein auf dieser Basis funktionierendes Controlling ein Beleg für die Qualität des Managements. Und das wirkt sich auch positiv im Rating aus und kann zu günstigeren Finanzierungskonditionen führen.


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